Herausforderung an unser Bildungssystem – damit wir den Anschluss nicht verpassen

Im Mai habe ich einen Beitrag dazu veröffentlicht, ob wir ein mobiles Entwicklungsland werden.
Die Sorge, dass wir die 2. Welle der digitalen Entwicklung verschlafen ruht u.a. daher, dass wir bspw. in der Smartphone-Verbreitung Europas Schlusslicht sind. Mobile Innovationen finden in Europa zunächst außerhalb von Deutschland statt. Selbst die Telekom führte ihr Mobile-Wallet aufgrund der größeren Smartphone-Verbreitung und Akzeptanz erst in Polen ein, PayPal sein Mobile-Payment-Rollout in Holland und England, mittlerweile haben alle Spar-Supermärkte in Österreich NFC-Terminals und selbst in der Türkei zahlen selbst die Dolmusch-Fahrgäste selbstverständlich mit NFC via Smartphones oder Karten. Auch 3D-Druck findet im europäischen Ausland oder den USA statt. Unsere Unternehmer in Deutschland mögen zwar noch teilweise gut im Hinblick auf Hervorbringung innovativer Geschäftsideen sein – Der jedoch ausschlaggebende Punkt im Sinne Schumpeters ist aber letztendlich die Durchsetzung der Innovation im Markt. Für die künftigen Innovationen, die aufgrund der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen technisch möglichem und in Deutschland in der Bevölkerung akzeptierten, sehe ich immer mehr Probleme auf uns zukommen.

Die Akzeptanz von Neuerungen betrifft eine Vielzahl von Beteiligten. Dies sind bezogen auf den Handel nicht nur die Endverbraucher, sondern auch die davon betroffenen Handelsbetriebe, für die eine Neuerung oft einen massiven Eingriff in bisherige Abläufe mit den aus der Quelle und Neckermann-Pleite bekannten Widerständen bedeutet. Was die Akzeptanz natürlich zusätzlich erschwert ist zudem, dass nicht nur der Wille und somit die „geistige Fähigkeit“ zur Veränderung vorhanden sein muss, sondern auch das notwendige Kapital.

Die Notwendigkeit der Durchsetzung von Neuerungen
Für den Standort Deutschland ist es nicht nur notwenig, dass auch künftig innovative Geschäftsideen hervorgebracht und durch Unternehmer realisiert werden, sondern sich auch im Markt durchsetzen. Denn nur im Markt akzeptierte und etablierte Innovationen ziehen für die wirtschaftliche Entwicklung notwendige weitere Neuerungen nach sich und sichert künftig auch die Führungsrolle unserer Wirtschaft. Das Thema der Finanzierung von Innovationen durch risikoaffine Investoren-Unternehmer wird in diesem Beitrag nicht weiter vertieft, schwingt aber bei den Grundgedanken insofern mit, weil auch diese Menschen eine bestimmte Einstellung zu Marktverändernden Neuerungen haben müssen. Der Fokus soll hier allerdings auf Durchsetzung der Innovationen durch Akzeptanz im Markt – also bei den Nutzern – unter besonderer Berücksichtigung der Herausforderungen an unser Bildungssystem gelegt werden. Damit Neuerungen mehr Akzeptanz in der Bevölkerung bekommen – also vom Markt akzeptiert werden und nicht gleich aussterben oder abwandern – fängt es bereits schon bei der Erziehung bzw. dem Erziehungsmodell und insbesondere des Bildungssystems in den Schulen an, die immernoch auf Taylorismus der Industriegesellschaft hin ausgerichtet ist und Bildung mit Wissen gleichsetzt und somit mit „Wissen“ (von einer immer kürzeren Halbwertszeit) ausgestattete Fachkräfte durch das Nürnberger-Trichter-Prinzip mit „Eintrichern“ „heranzüchtet“, anstatt Menschen dazu zu befähigen lernen zu lernen, um sich in und nach der Schulzeit in einer dem fortwährenden Wandel unterliegenden Welt stets zurechtzufinden.

Unserem bisherigen Ansatz liegt hingegen noch immer eine mechanische Sicht auf die Welt, die Natur und die Menschen (in Einzelteile zerlegbar und nach einem „Bauplan“ konstruiert) sowie ein lineares (patriarchiales) Denken zugrunde.

Die künftige Herausforderung an das Bildungssystem
Konnten wir in der ersten Phase der Informationsgesellschaft noch recht gut mithalten – die Akzeptanz und die Verbreitung bspw. des Internets war in Deutschland im europäischen Vergleich noch recht hoch – umso schwieriger wird es u.a. seitdem die 2. Phase der digitalen Evolution, bspw. durch Einzug des Internet in das reale Leben und die physische Welt, eingeläutet wurde. Sicher sind auch andere Industriezweige, wie Solartechnik, Elektroautos usw. davon betroffen. Diese betreffen jedoch nicht direkt diesen Blog.

Reines Fachwissen wird unbedeutender
Im Gegensatz zur Anfangsphase der Informationsgesellschaft, wo spezifisches Fachwissen sowie kodifizierbares Wissen noch nicht für jedermann frei verfügbar war, galt noch die aus dem Taylorismus stammende Bildung in Form von Bildung=Wissen bzw. Bescheidwissen oder eine Art innere Bibliothek und auf strikte Fächereinteilung (wie in unseren Schulen und Universitäten), Jahrgangsstufen und Benotungssystem basierenden Bildungssystem mit Sitzenbleiben, etc. Doch dazu später mehr.

Die Herausforderung der Bildung an die künftige Gesellschaft. Quelle: Eigene Darstellung

Die Herausforderung der Bildung an die künftige Gesellschaft. Quelle: Eigene Darstellung

Die immer komplexer werdenden Herausforderungen betreffen heute allerdings nicht mehr nur die Arbeitswelt, sondern auch den ganz normalen Alltag. Ein Smartphone zu bedienen ist etwas anderes, als auf einer Telefondrehscheibe zu wählen. Ein Computer stellt andere Anforderungen als eine Schreibmaschine. Ein HDTV-Fernseher mit Internet-Zugang ist anders als ein altes Röhrenfernsehgerät oder ein Auto mit App-Steuerung anders als ein Golf I.
Mit dem Fortschritt der digitalen Technologie steigen die technischen und sozialen Herausforderungen exponentiell an – und somit auch die Herausforderungen an die Bildung und das Bildungssystem.

Hier befürchte ich aufgrund meiner Beobachtungen und bei dem, was um uns herum in anderen Ländern mittlerweile passiert, dass Deutschland den Anschluss in der 2. Phase der digitalen Evolution verpassen könnte – vielleicht nicht als Schlusslicht, jedoch als Wegbereiter, Richtungs-Vorgeber und aktiver Gestalter der Zukunft. Wir verfallen somit immer mehr in die Rolle des passiven Anpassers, denn auch hier sind uns andere Länder, wie bspw. Schweden weit voraus.

Bildung bedeutet heute eben nicht mehr das Tayloristische Konzept zum „heranzüchten“ bzw. „ausbilden“ guter Fachkräfte, Arbeiter, Angestellten und Ingenieure, die Maschinen entwickeln und bedienen können – also einen Schüler in die Lage zu versetzen, aufgrund eines bewältigten Fachwissens alles studieren zu können – eine Art Vorratsdatenspeicherung im Sinne Bildung=Wissen.
Heute geht es vielmehr darum, dass Bildung dafür sorgt, dass sich die Menschen dauerhaft in einer sich stets und sich immer schneller ändernden und komplexeren Welt zurechtfinden können. Diese Aufgabe stellt ganz andere Anforderungen an ein Bildungssystem, als es noch vor 150 Jahren notwendig war als unser heute noch immer (trotz der bisherigen Reformen) gültiges Bildungssystem entstand.

Die Hürde (Chasm) bei der Durchsetzung von Innovationen
Innovationen haben erst eine Chance auf Erfolg, wenn sie den Chasm überwunden haben.

Ohne Titel 9

Probleme des Neuen. Quelle: Gunter Dueck 2013


Protagonisten und Open Minds haben Lust auf Neues, sowie quasi einen „kindlichen“ Entdeckerdrang. Anders machen, die Zukunft neu, besser und aktiv gestalten und somit offen gegenüber Innovationen zu sein, setzen u.a. Kreativität und die Fähigkeit zu dauerhaftem Lernen voraus. Sowohl innovatives Unternehmertum als auch das Durchsetzen von Innovationen im Markt setzt auf beiden Seiten Menschen mit diesen „hysterischen“ Eigenschaften (siehe unten) voraus.
Je komplexer unsere Welt wird und je höher die Ansprüche an die „Benutzung“ von Innovationen werden, desto größer sind die Herausforderungen an unsere Bildung – sowohl in Bezug auf die Entwicklung, als auch an die „Bedienung“ von Neuerungen.

Innovation ist nicht nur eine Aufgabe der Forschung und Wirtschaft
Sowohl die Entwicklung und Durchsetzung als auch die Bedienung von Innovationen setzen immer mehr bestimmte Persönlichkeitsmerkmale der Menschen voraus. Infolgedessen ist dies nicht nur Aufgabe von Wirtschaft und Forschung, sondern insbesondere auch von Erziehung und Bildung.
In unserem Bildungssystem werden jedoch diejenigen belohnt, die innerhalb einer Norm gut funktionieren, ohne dabei aufzufallen – also gute Kopfnoten in Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung haben. Charakter oder gar Eigensinn werden im Schulsystem noch immer „bestraft“. Kreativität und Originalität wird versucht „auszutreiben“.

Nicht nur Standardisierung und Effizienzorientierung sind der natürliche Feind von Innovation und wirtschaftlicher Entwicklung, sondern auch unserer Bildung!
Die zunehmende Standardisierung und Vereinheitlichung von Bildung und Prüfungen (Einheitsabitur,…) tuen ihr Übriges dazu und steht konträr zur eigentlich notwendigen individuellen Förderung und Entwicklung der Kinder.
Wichtige Eigenschaften für Innovation und für deren Durchsetzung und somit letztendlich für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung etc. wird in der Schule noch immer blockiert.
Für wirtschaftliche Entwicklung müssen die Menschen (wie als Kinder) hungrig nach Neuerungen sein – Unternehmer ebenso wie potentielle Kunden/Nutzer und Investoren. Infolgedessen müssen bereits in der Erziehung und insbesondere der Schule die hierfür notwendigen Grundlagen und Voraussetzungen weiterentwickelt werden, denn der Mensch wird als Entdecker und Forscher geboren. Kinder kommen mit großer Neugierde und Entdeckerfreude auf die Welt – sie können gar nicht existieren, ohne zu lernen.

Unser derzeitiges Bildungssystem
Lernen ist ein menschliches Grundbedürfnis und passiert wie Atmen ganz selbstverständlich – wir lernen unaufhörlich und permanent. Kinder wollen lernen – sie können gar nicht anders. Wie kommt es dann, dass Kinder in der Schule oftmals auf einmal nicht mehr lernen wollen? Wir unterstellen den Kindern dann meist, dass sie unwillig seien zu lernen. Dabei wollen Kinder grundsätzlich lernen. Das Problem ist vielmehr, dass nach dem Eintritt in die Schule ihre Gestaltungslust, Experimentier- und Lernfreude immer wieder so enttäuscht wird, dass die Kinder zunächst frustriert werden und dann irgendwann diese Fähigkeiten verlieren. Bereits in den ersten Wochen nach der Einschulung nehmen Neugierde und Motivation ab. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass es im Unterricht kaum Spielraum für ergebnisoffenes Arbeiten gibt. Vieles ist vorgegeben und in seinen Resultaten erwartbar. Das echte eigene Experimentieren hat ein Ende.

Die Fähigkeiten und die Entdeckerfreude unserer Kinder sind jedoch kostbar, aber wir verschleudern es, indem wir Kindern das Wissen oft schon fertig „präsentieren“. Das Kind als Entdecker und Forscher ist im Lernprozess der Schule kaum gefragt. Die angeborene Gestaltungslust und die natürliche Neugier der Kinder kommen nicht zum Tragen, werden sogar gebremst oder entwickeln sich zurück. Stattdessen werden Kinder ständig bewertet und kritisiert und somit permanenten Kränkungen ausgesetzt, was die Frustration verstärkt und was ihnen die Motivation nimmt.

Wir „züchten“ uniforme Tulpen anstatt abwechslungsreiche Wiesenblumen
Ob ein Kind in der Schule „besteht“, hängt vor allem davon ab, wie gut sich ein Kind im System anpassen (lässt) und innerhalb der Normen vorgegebene Ziele erreichen kann. Der Fokus beim Umgang mit den Schülern wird in der Regel auf „Defizite“ und „Versagen“ gelegt, und diejenigen Schüler, die die vorgesehenen Normen und Leistungsansprüche nicht erfüllen können, werden dann an genau diesen Stellen belehrt, „repariert“ und sanktioniert: durch Bewertung, durch entsprechende Noten, durch Kritik, durch verstärktes Einüben eben der Normen und Vorgaben, denen der Schüler nicht genügte – und das betrifft Lernziele genauso wie Verhaltensregeln, wie z.B. das Stillsitzen.
Für die Kinder werden immer mehr Instrumente und Maßnahmen erfunden, um sie und ihre Entwicklung zu kontrollieren und zu normieren, um Ihre Entwicklung zu „optimieren“ bzw. „Fehlentwicklungen“ entgegenzuwirken. Regelmäßige U-Untersuchungen, Entwicklungsberichte und Einschulungstests sind schon lange Pflicht. Tabellen mit Entwicklungskurven sollen Kinder untereinander vergleichen, da sich alle Kinder gleich entwickeln sollen. Zahlreiche weitere Instrumente, wie Beobachtungsbögen und Teilleistungstests sollen bereits schon im Kindergarten kleine Abweichungen von „normalen“ Entwicklungsprozessen erfassen.
Kinder werden getestet und eingeordnet: In leistungsstarke und leistungsschwache Kinder, in entwicklungsgerechte und entwicklungsverzögerte Kinder, in Kinder mit angemessenem Verhalten und Kinder mit auffälligem Verhalten. Sie werden nach bestimmten Standards und gesetzten Normen eingeteilt und bewertet – und stigmatisiert. Alle „Defizite“ sind bereits schon zur Einschulung dokumentiert:
Das Kind

  • ist verträumt,
  • kann sich nicht gut konzentrieren,
  • reagiert auf Ansprache verzögert,
  • zeigt mangelndes Selbstbewusstsein,
  • verfügt nur über eine geringe Frustrationstoleranz,
  • zeigt Aggressivität,

usw.

Je mehr das Verhalten eines Kindes in der Kita oder der Schule stört, desto auffälliger wird es wahrgenommen. Wir sind mit diesen Instrumenten auf der Suche nach „Schablonenkindern“ – bzw. uniformen Tulpen-Kindern im Sinne Gunter Dueck.

Uniforme Tulpen. Quelle: Gunter Dueck 2013

Uniforme Tulpen. Quelle: Gunter Dueck 2013

Wir beobachten, testen, bewerten und ordnen Kinder mit Kennzahlen ein. Bildung wurde in Richtung Überprüfbarkeit optimiert. Die Zahlenwelt und Effizienzorientierung wurde in die Kindheit getragen, ohne zu begreifen, was tatsächlich die Welt der Kinder ausmacht.
Eine glückliche Kindheit ist nicht in dieser Form messbar, Motivation zum erfolgreichen Lernen nicht normierbar und Spielen, Kreativität, Emotionalität und Empathie sind nicht beliebig reproduzierbar. Es wurde eine „effiziente“ Fertigungsstraße für „leistungsfähige“ Gehirne entwickelt (anstatt effektivitätsorientiert vorzugehen – also die richtigen Dinge zu tun). Wir übersehen dabei, dass das kindliche Gehirn ein Ort der Potenziale ist, in das nichts „eingefüllt“ werden muss. Wir müssen vielmehr eine Umgebung für eine möglichst gute Entfaltung der Potenziale schaffen, die anregt, Lust macht, begeistert, beeindruckt und Kinder ermutigt.

Wir brauchen in Zukunft abwechslungsreiche, bunte Wiesenblumen-Kinder im Sinne Gunter Dueck, anstatt einförmige Tulpen.

Abwechsulgsreiche bunte Wiesenblumen. Quelle: Gunter Duck 2013

Abwechsulgsreiche bunte Wiesenblumen. Quelle: Gunter Duck 2013

Die ständigen Tests und Prüfungen bauen lediglich Druck auf, obwohl wir zum Begreifen und Verstehen des Kindes eine druckfreie Beziehung und eine lernfreundliche Atmosphäre benötigen, welche durch die ständigen Überprüfungen abgeschafft wurde. Wir haben stattdessen eine Atmosphäre von Angst, Unsicherheit und Anpassung geschaffen. „Passe ich rein, bin ich normal?“ – „Bestehe ich den Test?“ – „Bin ich o.k., so wie ich bin?“. Oft erfahren Kinder die Botschaft: „Du bist nur o.k., so wie wir wollen“.
So geht es dann schlimmstenfalls bis zum Ende des Studiums.

Die Kinder als „triviale Maschine“
In der Schule (und oftmals auch noch in der Erziehung) werden die Kinder trivialisert. Alleine das Wort Lehrpläne hört sich schon fast an, wie Baupläne – als ob sich Kinder wie Maschinen steuern lassen. So wie die “triviale Maschine” bei Heinz von Förster, wo alles genau vorgeschrieben zu funktionieren hat (obwohl Menschen und die Welt in der wir leben „nicht-triviale Systeme“ sind).

„Vor lauter Belehren und Unterrichten kommst du in der Schule nicht zum Lernen.“ (Heinz von Förster)

In Bezug auf Bildung formuliert Heinz von Förster Trivialisierung als die Amputation interner Zustände, Blockierung der Entwicklung unabhängigen Denkens und Belohnung von vorschriftsmäßigem, also voraussagbarem Verhalten.
Es wird ein Erwartungshorizont in Form einer Lösung formuliert, welche der Schüler treffen muss, um nicht durchzufallen.
Wir denken und handeln nur noch in dem Wahr-Falsch Schema und dies wird sozusagen in unser Hirn „eingebrannt“, denn aus Sicht der Hirnforschung ist Lernen das Wachstum von Nervenzellen im Gehirn, die sich stärker miteinander verknüpfen.
Je intensiver man sich mit etwas auseinandersetzt, umso mehr Proteine werden hergestellt, um Verbindungen aufzubauen. Und je besser die bereits vorhandenen Verbindungen sind, umso leichter fällt es unseren Nervenzellen, neue zu erzeugen.

Wenn jedoch die Kinder sowohl (oftmals noch) während ihrer Erziehung als auch insbesondere in der Schulbildung vorwiegend nur unkreativen und „trivialen“ Lernmethoden ausgeliefert sind, hat dies folglich einen starken Einfluss auf auf die Entwicklung des Gehirns der Kinder. Im Besten lernfähigen Alter lernen die Kinder keine Eigenschaften, wie Problemlösung, Kreativität oder vernetztes Denken, sondern pauken sich stattdessen lediglich „triviale“ Lösungen ein.
Schüler, die beispielsweise auf die Frage des Lehrers „Was ergibt 5*4“ mit „4*5“ oder „eine gerade Zahl“ antworten, bekommen mit Sicherheit nicht die volle Punktzahl. Die Schüler wissen, welche Antwort erwartet wird, nämlich „20“. Also sagen sie das auch.
Es wird somit nur genau ein bestimmtes Verhalten der Schüler zugelassen und antrainiert. Dieses Denkmuster schleppen wir dann unser restliches Leben mit uns herum und können es kaum mehr abwerfen. Wir sind gar nicht mehr in der Lage uns verschiedene Handlungsoptionen vorzustellen. Wir denken und handeln nur noch in dem Wahr-Falsch Schema.
Bei einem Auto macht dies sicher Sinn, aber nicht bei einem Menschen und somit nicht für jemanden, der neue Autos (oder die Nachfolge-Transportmittel) erfinden und dann auch bedienen können soll.
Dieser muß anders und neu denken, neue Wege gehen und vorgegebene Pfade verlassen.
Innovation und letztendlich wirtschaftliche Entwicklung kann nur von den Menschen kommen, bei denen die Trivialisierung und die Beschneidung des freien Denkens gescheitert ist – also von Menschen, die es entgegen der derzeitigen Bildungspolitik geschafft haben, ihre Kreativität beizubehalten. Durch die NC-Regelung werden jedoch nur Menschen zu einem bestimmten Studium zugelassen, bei denen die Trivialisierung am erfolgreichsten war (was anderes sagt ja die Abiturnote nicht aus) und nicht diejenigen, die das größte Talent in dem jeweiligen Bereich haben.

Ohne Titel 11
Was einmal „abtrainiert“ wurde ist (wenn überhaupt) nur sehr schwer wieder zu erlangen.
Dazu gehört nicht nur die reine Fähigkeit dazu, sondern auch das Wollen und die abtrainierte Motivation.

Erkenntnisse aus der Hirnforschung
Bis vor Kurzem hatten wir noch die Überzeugung, dass sich die Vernetzungen im Gehirn durch die Wirkung genetischer Programme herausgeformt haben und dass sich die so entstandenen Vernetzungen der Nervenzellen später nicht verändern lassen und man diese sein Leben lang behält.
Folglich haben wir auch lange geglaubt, dass es Menschen mit besseren und mit schlechteren
Programmen (Potenzialen) gibt und dass Kinder mit besseren oder schlechteren Vernetzungen im Hirn ausgestattet seien – also begabtere und weniger begabte Kinder gibt.
Mittlerweile wissen wir aber, dass jedes Kind mit „Überschüssen“ auf die Welt kommt – also deutlich mehr Nervenzellen, als später erhalten bleiben.

Ein Drittel dieser Nervenzellen wird dann wieder abgebaut, weil diese Nervenzellen nicht in funktionale Netzwerke eingebaut werden (sie verkümmern sozusagen). Bei den Vernetzungen läuft es analog – aus einem Überschuss aus Vernetzungsoptionen bilden sich Beziehungsmuster zwischen den Nervenzellen. Die Aktivitätsmuster, die immer wieder und regelmäßig auftauchen, stabilisieren die dabei genutzten Verschaltungsmuster – die Überschüssigen werden mit der Zeit wieder abgebaut. Somit hat ein sechsjähriges Kind hier etwa ein Drittel mehr Vernetzungsangebote, als nach der Pubertät.
Die Umwelt (Familie, Kulturkreis, Stadt, Kita, Schule,…) ist somit der maßgebliche Faktor dafür, ob Kinder diese ihnen angeborenen Potenziale und Fähigkeiten weiterentwickeln können oder gar vollständig verlieren.
Bei der Nichtförderung von Kreativität, Neugier, Entdeckerinstinkt, usw. gehen diese Fähigkeiten schlimmstenfalls gänzlich verloren.

Dies ist auch interessant vor dem Hintergrund des „lebenslangen lernen“. Jeder hat sicher selbst schon einmal die Erfahrung gemacht, dass einem manche Dinge im Erwachsenenalter leicheter fallen, zu lernen bzw. mit der Entwicklung mitzuhalten, als andere Dinge. Wo also noch Vernetzungsmöglichkeiten vorhanden sind, an denen neues (noch) „andocken“ kann. Zu manchem hat man gar keinen Zugang (mehr)…
Vor diesem Hintergrund kann man die „Einstellung“ und das „Denken“ anderer Menschen irgendwie auch leichter nachvollziehen und verstehen – ohne sie gleich zu „vorzuverurteilen“.

In der Arbeitswelt und als Konsument/Nutzer sollen wir dann wieder kreativ und offen für Neues sein
Losgelassen sowohl auf die Arbeitswelt als auch als Konsument/Nutzer von Innovationen und Neuerungen sollen wir dann aber auf einmal mit gestiegener Komplexität umgehen können, lebenslang lernen wollen und Spaß daran haben, wieder kreativ sein, unseren Entdeckergeist wieder aufleben lassen, in flachen (oder keinen) Hierarchien und in interdisziplinären Teams arbeiten, flexibel sein, neue Ideen, Innovationen und neue Geschäftsmodelle entwickeln (bzw. diese finanzieren) oder offen für Neues sein (Neugier, Entdeckergeist) und lernen mit Neuem umzugehen (Smartphone anstatt Wählscheibe) – obwohl uns in der Schule einfach nur Fachwissen eingetrichtert und diese Eigenschaften abtrainiert wurden und somit viele nach ihrem Schul/Studium-Abschluss endlich gehofft hatten, dass das Lernen endlich ein Ende hat und sie nicht mehr lernen „müssen“, da ja lernen oftmals mit Negativem bspw. negativem Stress assoziiert wurde.

Ebenso, wie das Bildungssystem die Entwicklung und Förderung künftiger Persönlichkeitseigenschaften beeinflußt, behindert auch die derzeitige Lernatmosphäre in den Schulen das Herausbilden dieser Eigenschaften – denn auch diese erinnern an den Taylorismus: Dabei machen es auch hier erfolgreiche Unternehmen wie Google, Apple und Co. vor, wie wichtig eine eine angenehme Arbeitsatmosphäre im Unternehmen ist, um somit Kreativität, Motivation, Leistungsbereitschaft etc. zu fördern. Peter Fratton spricht hier von der „gestalteten Umgebung“ – dem „dritten Pädagogen“.
Der Architekt Peter Hübner beschreibt die derzeitige Wirkung der herkömmlicher Schularchitektur wie folgt:

Wir sehen keine Orte für das Leben und das Lernen, sondern Kasernen. An langen Fluren steht ein Raum neben dem anderen stramm. Alle Klassenzimmer haben dieselbe Form. Die Kinder werden hineingepfercht, alle nach vorne zur Tafel ausgerichtet. Der Lehrer schreibt an, die Kinder schreiben ab. Das ist eine industrielle Anordnung, der die Massenabfüllung als Idee zugrunde liegt.

 

finde den Fehler....

finde den Fehler….


Mal ein kurzer Blick in das Google-Office in Zürich:

 
Der Raum ist der dritte Pädagoge:

Man kann nach den heutigen Erkenntnissen der Hirnforschung Kinder nicht erziehen und nicht bilden, sondern nur Bedingungen schaffen, durch welchen das Kind an seinem Selbstbildungsprozess selbst „arbeiten“ will. Kinder bauen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten durch einen eigenen konstruktiven Prozess im Gehirn auf. Man kann sie dazu nicht zwingen, sondern nur einladen, ermutigen und inspirieren.

Kinder als autopoietische Systeme
Kinder entwickeln sich sozusagen aus sich selbst heraus.
Maturana und Varela haben hier den Begriff der „Autopoiese“ geprägt – im Sinne des Konstruktivismus die Kybernetik zweiter Ordnung, d.h. eine Organisationsform, mit deren Hilfe Leben aus sich selbst entsteht (Selbsterzeugung). Ein System lebt in einem Interaktionsbereich (Milieu). Die Interaktion zwischen autopoietischen Systemen oder autopoietischen Systemen und seinem Milieu wird als strukturelle Kopplung bezeichnet, wobei jedes autopoietische System aufgrund seiner Struktur selbst bestimmt, womit es sich strukturell koppelt, d.h. welche Umwelteinflüsse seine Struktur verändern können. Durch die strukturelle Kopplung entwickeln sich also autopoietische Systeme gegenseitig und ihre Milieus ständig weiter (Strukturelles Driften).

Bildung im Sinne Humbolds
Die Aufgabe von Schulen sollte es bereits 1809 nach Humbold in seinem Reformkonzept Link sein, den Heranwachsenden zu helfen, sich so gut wie möglich in der Welt zurechtzufinden. Die Aufgabe des Lehrers sollte es sein, sich dabei nach und nach überflüssig zu machen. Ein entsprechendes kennt kein Sitzenbleiben und keine Noten (so, wie es bspw. in anderen Ländern, wie Schweden oder Finnland heute üblich ist). Wozu auch, denn wenn das Ziel Persönlichkeitsentwicklung heißt, dann sind Fachprüfungen zweitrangig. Wichtiger als das Erreichen eines festgelegten Wissensstands innerhalb eines Schuljahrs ist das Erlangen einer individuellen Stufe der Persönlichkeitsentwicklung. Und diese lässt sich nicht durch ein Dokument mit Ziffern ausdrücken. Humboldts Meinung war es, seine zukünftigen Bürger nicht mehr zu Fachidioten nach den Bedürfnissen des Marktes ausbilden, sondern zu Bürgern (und nicht mehr Untertanen), die gelernt haben, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, sich einzubringen, mitzuwirken und dabei über den eigenen Tellerrand zu schauen.
Die Ansätze Humbolds stießen jedoch seinerzeit auf große Widerstände, passten zudem auch nicht wirklich zum Taylorismus bzw. der Industriegesellschaft und werden erst jetzt (ebenso wie die Ansätze von Pestalozzi Link und Montessori) langsam wiederentdeckt.

Der Einfluss der Erziehung auf Innovation:
Neben der oben beschriebenen Bildung im schulischen Sinne beeinflusst selbstredend natürlich auch die „Erziehung“ der Kinder und somit auch das Familienmodell, wie die Heranwachsenden später Innovationen und Neuen gegenüber entgegentreten und Kreativität, vernetztes Denken, Entdeckergeist, lebenslanges Lernen usw. einsetzen können – sei es für das Arbeitsleben oder für das Zurechtkommen in einer immer komplexer werdenden Welt mit seinen oben beschriebenen Anforderungen.
Erziehung im herkömmlichen Sinne geht noch immer davon aus, dass ein Kind noch kein „richtiger“ Mensch ist, es defizitär und halbfertig auf die Welt kommt und erst durch „Behandlung“, den Einfluss und die Einwirkung von Erwachsenen, zum Menschen gemacht werden muss, um sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten.
Die traditionelle Erziehung ist durch autoritäre Lenkung des Kindes geprägt: Macht zur Durchsetzung der eigenen Interessen, Kontrolle, Belehrung und Bevormundung, Lob zur positiven Verstärkung eines gewollten Verhaltens und/oder Kritik und Bestrafungen, um ein nicht gewolltes Verhalten abzustellen.

Seit jeher wurde versucht, Methoden zu finden, um Kindern beizubringen, wie man sich „richtig“ benimmt und wie man ein „ordentliches“ Gesellschaftsmitglied wird. In diesem Sinne ist Erziehung also die durch Normen geleitete Einübung von Verhaltensweisen und die Vermittlung diverser Kompetenzen. Wissenschaftlich ist jedoch widerlegt, dass Kinder als unfertige Wesen auf die Welt kommen, die erst nach und nach zu „richtigen“ Menschen werden. Erziehung im herkömmlichen Sinne ist daher unnötig und überflüssig! Kinder müssen nicht aktiv erzogen und manipuliert werden, um ein bestimmtes Ziel im Sinne eines erwünschten Verhaltens zu erreichen. Kinder brauchen laut Saalfrank eine BEziehung anstatt ERziehung. Während Erziehung klar definierbare, zielgerichtete, lösungsorientierte Handlungen der Erwachsenen beinhaltet (Subjekt-Objekt-Beziehung), setzt Beziehung eine offene Haltung dem Kind und seinem Wesen gegenüber voraus, die von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist (Subjekt-Subjekt-Beziehung).
Dies bedeutet auch, dass gelebte Familienstrukturen mit noch oft einer alten Machtstruktur hinterfragen werden müssen, die Kinder wie „Untertanen“ behandeln. Eine gute Beziehung ist geprägt von Dialog, Offenheit und Toleranz: Der andere wird mit seinen Bedürfnissen respektiert und auch in seiner Andersartigkeit und Vielfalt akzeptiert.
Erziehung: Du bist o.k., so wie ich will!
Beziehung: Du bist o.k., so wie Du bist!

Die Erziehung im bisherigen Sinne passt wie unser Bildungssystem in die Zeiten der Industriegesellschaft und des Taylorismus, wo Menschen zu gehorsamen Untertanen ohne eigene Meinung, kritischem Hinterfragen, Neugier und Kreativität „erzogen“ werden sollten, sondern zu effiziente Arbeitskräften für ein System mit stark hierarchischen Machtstrukturen (und somit vergleichbar dem alten hierarchischen Familienmodell). Wenn jedoch in der Wissensgesellschaft und der damit verbundenen Herausforderungen an unsere Bildung Eigenschaften, wie Kreativität, Neugier und Entdeckergeist, vernetztes Denken und Beherrschung von Komplexität u.a. notwendige Bedingung sind, dann ist die wirtschaftliche Entwicklung und folglich für das Entwickeln und Durchsetzen bzw. die Akzeptanz von Neuerungen und Innovationen das bisherige Erziehungsmodell hiermit nicht mehr vereinbar.

Die anerzogene und angelernte Angst vor Veränderung:
Der Psychoanalytiker Fritz Riemann publizierte 1961 ein Buch mit dem „Titel Grundformen der Angst„, worin er vier Persönlichkeitsausrichtungen des Menschen hinsichtlich ihrer Grundängste unterscheidet und wovon folgende beiden innovationsfördernd bzw. innovationsbremsend sind:

  • Angst vor Wandel (Merkmal der zwanghaften Persönlichkeit).
  • Angst davor, dass alles notwendig so bleibt (Merkmal der hysterischen Persönlichkeit).

Es gibt Menschen, die grundsätzlich Angst vor Wandel haben. Andere haben Angst, dass alles so bleibt, wie es ist!

Die zwanghafte Persönlichkeit zielt auf Recht und Ordnung, wahr und falsch, jede Frage hat eine richtige Antwort, sie liebt Kontrolle, Macht und Beherrschung. Alles muss perfekt sein. Sie ist gewissenhaft, ehrgeizig, ausdauernd, hartnäckig, sauber und sachlich. Das zwanghafte Konzept setzt fleißig strebend die geliebte Vergangenheit als immer perfektere Zukunft fort. Im betriebswirtschaftlichen Sinne ist diese Grundhaltung eher effizienzorientiert. Das perfekte Ergebnis unseres bisherigen Bildungssystems.
Die Angst vor Veränderung wird uns somit im Laufe der Schulzeit somit regelrecht antrainiert. Erfolgreiche und innovative Unternehmen versuchen dies dann für Ihre Mitarbeiter wieder zurechtzurücken, indem sie eine kreative Arbeitsatmosphäre, ein entspanntes Arbeitsumfeld schaffen und die Lust an Neuem und die Enteckerfreude wieder aufleben lassen. Der Großteil der potentiellen Konsumenten oder Nutzer der Neuerungen oder wird jedoch mit ihrer Angst vor Neuem alleine gelassen. Anstatt diesen aufgeschlossen und mit Freude und Chancenorientiert entgegenzutreten, wurde ihnen die Angst vor Neuem antrainiert, was zu Abneigung und Skepsis führt und somit die Risiken der Veränderung in den Vordergrund stellt.

Die hysterische Persönlichkeit möchte hingegen ein anregendes, interessantes, spannendes Leben voller Abwechslung und Abenteuer. Sie ist impulsiv, unternehmungslustig, giert nach neuen Ideen und ist immer auf der Suche nach Neuerungen. Das hysterische Prinzip sehnt sich nach neuer Zukunft, Wandel, Innovation und neuen Sinnenfreuden. In Analogie zur Betriebswirtschaftslehre stellen diese Menschen – im Gegensatz zu den effizienzorientierten zwanghaften Menschen – eher die Effektivität in den Mittelpunkt ihres Handelns. Bekanntermaßen schlägt Effektivität die Effizienz.

Wir bilden noch immer zwanghafte Persönlichkeiten aus.
Wie oben beschrieben ist unser heutiges Bildungssystem (bis auf ein paar privatschulische Ausnahmen und Modellversuche) noch immer verstärkt auf die Herausbildung von zwanghaften Persönlichkeiten und auf das „Austreiben“ kindlicher bzw. hysterischer Verhaltensweisen hin ausgerichtet.

Die Kinder, die jetzt eingeschult werden, gehen im Jahr 2070 in Rente. Doch wir überfrachten sie heute noch immer mit Wissensstoff, den sie für ihr Leben kaum brauchen werden anstatt ihnen dabei zu helfen, Neugier, Kreativität, Originalität, Orientierung und Teamgeist für eine immer komplexere Welt zu erwerben, dressieren wir sie zu langweiligen Anpassern. Was ein Wirtschaftswissenschafter, Genetiker, Neurowissenschaftler oder Informatiker vor zwanzig Jahren gelernt hat, ist heute in vielem gnadenlos veraltet. Die Folge ist, ein Leben lang lernen zu können, zu müssen und vor allem zu wollen.
Infolgedessen müssen Schulen ihre Schüler in Zukunft weniger auf Abschlüsse und bestimmte Studiengänge vorbereiten, sondern auf lebenslanges Lernen. Um später beruflich und privat weiterzulernen, muss ich in der Schule vor allem gerne lernen, denn ansonsten fehlt mir zum Lernen auch später leicht die Motivation.

Humbold ist heute aktueller denn je
Heute ist Humboldts Traum, dass Kinder in Schulen lernen sollten, Lernen zu lernen, relevanter als je zuvor.
Je weniger wir darüber wissen, was unsere Kinder einmal brauchen werden, um ihr Leben erfolgreich zu bewältigen und mit Sinn und Bedeutung zu füllen, umso mehr müssen wir ihnen helfen, selbstständig und mit Freude lernen zu lernen.

Aber die Erkenntnisse der modernen Entwicklungspsychologie, der Lerntheorie und der Hirnforschung, findet an unseren Schulen bis heute kaum Berücksichtigung. Lediglich an wenigen Modellschulen oder auch den Schulen nach der Lehre von Maria Montessori verfolgt man entsprechende Lernkonzepte. Nur was mit Neugier gelernt wird, wird unseren Kindern wichtig und bedeutsam. Und nur was ihnen bedeutsam ist, weckt ihre Kreativität und spornt die Leistungsbereitschaft an.
Genau diese Reifung ist es, die Menschen jeder digitalen Technik überlegen macht und sicher stellt, dass auch in 4 Jahrzehnten Menschen bessere Entscheidungen in komplexen Sachverhalten treffen als Computer.
Sowohl für die Arbeitswelt als auch für die wirtschaftliche Entwicklung hat all dies somit dramatische Auswirkungen. Schon jetzt und erst recht in der Zukunft werden Menschen nur noch für das gebraucht, was Automaten, Roboter und Computer nicht können und was man nicht selbst bspw. im Internet herausfinden und nachschlagen kann. Um einen Urlaub zu buchen, muss niemand mehr ins Reisebüro gehen wie noch vor wenigen Jahren – es sei denn, er steht vor einer so gewaltigen Herausforderung, dass er eine echte Fachkraft braucht. Diese muss aber dann so gut sein, dass die Person diese Bezeichnung zu Recht verdient. Die betroffenen Branchen sind vielfältig und betreffen nicht nur relativ einfache Berufe, sondern auch bspw. Patentanwälte oder Ärzte.
Eine „Flachbildschirmrückseitenberatung“, wie Dueck sie nennt, bei der man als Kunde auf die Rückseite eines Bildschirms schaut, vor dem bspw. jemand eine Suche startet, die wir auch selbst starten könnten, ist überflüssig.

Auch das Bildungssystem muss sich stetig evolutorisch weiterentwickeln
Ebenso wie in der Wirtschaft eine permanente wirtschaftliche Entwicklung notwendig ist, ist im Prinzip auch für das Bildungssystem und die Erziehung ein stetiger evolutorischer Wandel und Anpassungsprozess bzw. eine schöpferischen Zerstörung im Sinne Schumpeters notwendig.
Auch in der Bildung zählt die Weisheit der (wirtschaftlichen) Entwicklung, dass Effektivität die Effizienz schlägt – es also besser ist, die richtigen Dinge tun, anstatt das Falsche zu optimieren.
In der Erziehung und Bildung sind folglich ebenso zwingend Innovationen bzw. Neuerungen notwendig, wie im Wirtschaftsleben. Aufgrund der verpassten notwendigen Anpassungen, weil sich das Bildungssystem eben nicht fortwährend weiterentwickelt hat, sind mittlerweile nicht mehr nur kleine Schritte im evolutorischen Sinne notwendig, sondern ein großer Umbruch.
Problematisch ist allerdings, dass die Verantwortlichen und die vielen Menschen, die bei den notwendigen Veränderungen mit einbezogen werden müssen, selbst Kinder dieser zwanghaften Entwicklung sind – bis (anders als in im Wettbewerb stehenden Unternehmen) in das nicht gerade durch Innovationen und Kreativität geprägte „Berufsleben“ hinein.
Sie gehören somit aufgrund ihrer Strukturdeterminiertheit und ihrer eigenen persönlichen Entwicklung zu den zwanghaften Closed-Minds und Antagonisten (siehe obige Grafik zu Problemen des Neuen), die Angst vor Veränderung haben bzw. diese sogar verhindern wollen – die Chasm bzw. zu überwindenden Hürden werden mit der Zeit allerdings immer größer – ein Teufelskreis.
Aufgrund der Struktur des Bildungssystems sind es nicht nur eine oder wenige Personen, die diese notwendige Transformation bzw. Persönlichkeitsentwicklung meistern müssen, sondern eine Vielzahl von Menschen – ein schier fast aussichtsloser Kampf gegen eine Vielzahl von Widerständen.

Was verändert sich um uns herum (z.B. in Kanada, Skandinavien oder Schweiz) im Bereich Schule und Bildung?

Für mich das Beste mir bekannte Konzept für die künftigen Herausforderungen:
Schule nach der Montessoripädagogik von Maria Montessori:
Denn das Gesamtkonzept basiert auf dem zentralen pädagogischen Ansatz: „Hilf mir, es selbst zu tun“! Dieser Leitsatz stellt selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen in den Vordergrund und entspricht folglich in besonderem Maße den Ansprüchen, welche die Informations- und Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts an uns stellt.

Da sich viele Eltern heute immer intensiver mit der Schulausbildung für ihre Kinder und den unterschiedlichen Konzepten befassen, erfreut sich die Montessori-Pädagogik mittlerweile einer immer weiter steigenden Beliebtheit, wodurch der Druck zur zukunftsorientierten Reformierung des Bildungssystems in diese Richtung auf die Politik hoffentlich weiter steigt.
Hier ein schöner Film dazu am Beispiel der Montessori-Schule in Hohenbrunn bei München.


Beim deutschen Montessori-Dachverband findet sich eine Liste von Montessori-Schulen in Deutschland.
 

Quellen zum Beitrag:
Heinz von Förster: KybernEthik
Frederic Vester: Denken, Lernen, Vergessen: Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann lässt es uns im Stich?
Joseph Schumpeter: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
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Herausforderung an unser Bildungssystem – damit wir den Anschluss nicht verpassen
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Über Hagen Fisbeck

Hagen Fisbeck ist Berater für digital gestützten Handel. Seit über 15 Jahren ist er im professionellen eCommerce und Multi-Channel-Handel tätig und war bei der Arcandor AG viele Jahre in leitenden eCommerce-Funktionen und als Intrapreneur tätig. Seit 2009 berät er größere und mittlere Handelsunternehmen im eCommerce und Multi-Channel-Handel und ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von DigitalRetail
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2 Antworten auf Herausforderung an unser Bildungssystem – damit wir den Anschluss nicht verpassen

  1. Eberhard sagt:

    na ja, inhaltlich ganz interessant, aber ein sehr schlechter Stil. Wer einen Blogbeitrag mit den Worten „Vor ein paar Tagen habe ich einen Beitrag zum Thema veröffentlicht“ anfängt, hat entweder in der Journalismus-Grundausbildung geschlafen, oder eine solche überhaupt nicht genossen.

    Auch und gerade Blogger sollten Grundlagen der Schreibkunst beherrschen, sonst klickt der Leser nach dem ersten Satz angewidert weg.

    • Hagen Fisbeck sagt:

      Danke, Eberhart für den Hinweis – verlinkt habe ich den Beitrag ja. In der Tat – ich bin kein Journalist, sondern Wirtschaftswissenschaftler und befasse mich fachlich und aufgrund des persönlichen Interesses und Selbststudiums mit den Themen dieses Blogs. Ich lege dabei in der Tat größeren Wert auf einen möglichst guten und interessanten Inhalt. Beim Schreibstil bitte ich daher ein wenig um Nachsicht 😉

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