Online-Shops werden zum Showroom für den stationären Einkauf – 60% Stationär-Umsatz wird in Online-Shops vorbereitet

Die Signale verstärken sich, dass sich langsam eine Umkehr der Abwanderung von stationärem zu Online-Handel vollzieht.

Nachdem der stationäre Handel in den letzten Jahren immer mehr zum „Showroom“ für den Online-Handel wurde, d.h. sich die Kunden die Produkte im Geschäft angeschaut haben, um sie anschließend bei amazon & co. zu bestellen, ist immer mehr eine Umkehr dieser Entwicklung zu erkennen, also dass das Internet und Online-Shops mit ihren Zusatz-Informationen, Kundenbewertungen usw. zum „Showroom“ des stationären Handels werden.

Eine signifikante Wechselwirkung hatte bereits Google in seiner ROPO-Studie aufgezeigt. Die Effekte wurden u.a. auch von eBay in einer repräsentativen Studie sowie Ernstings nachgewiesen.

Nun bestätigt diesen Effekt auch die Aktuelle Studie des E-Commerce-Center (ECC) am IFH Köln.

Zwischen einem Online-Shop und dem Umsatz im Laden gibt es erhebliche Wechselwirkungen.

Die repräsentative Studie zeigt auf, dass Kunden bei ihrer Online-Recherche vor dem Kauf im stationären Geschäft vor allem auf Suchmaschinen und Online-Shops zurückgreifen. 58 Prozent informieren sich direkt im Online-Shop des gewählten Anbieters.

Quelle: ECC-Studie Das Cross-Channel-Verhalten der Konsumenten – Herausforderung und Chance für den Handel

Quelle: ECC-Studie Das Cross-Channel-Verhalten
der Konsumenten – Herausforderung und Chance für den Handel

Schaut man sich die Ergebnisse der Studie etwas genauer an, so ist festzustellen, dass nicht nur 50% der Stationär-Umsätze eine Suche in Online-Shops via PC/Laptop vorausging, sondern zusätzlich noch ca. 12% via Smartphones in Online-Shops recherchiert wurde. Extrem beeindruckend ist somit, dass zusammengenommen also mittlerweile über 60% der Stationär-Umsätze eine Recherche in Online-Shops voraus ging!

Damit hat der Webshop für Vorab-Informationen mittlerweile eine erhebliche Relevanz für den Stationär-Umsatz – die weiter deutlich zunimmt.
Wurden im Jahr 2011 noch 23 Prozent der stationären Käufe durch eine Recherche in Online-Shops via PC/Laptop vorbereitet, so sind dies mittlerweile rund 35 Prozent. Der Geschäftsführer des IFH Institut für Handelsforschung in Köln, Kai Hudetz, bring diese Entwicklung auf den Punkt: “Online ist der neue Showroom”.

Michael Hubrich, Country Manager Deutschland von Hybris äußert sich zudem wie folgt: „Die Ergebnisse der Studie zeigen einerseits sehr deutlich, welchen zunehmend entscheidenden Einfluss der digitale Kanal auf den gesamten Einkaufsprozess hat. Zum anderen wird aber auch immer klarer, dass der Konsument nicht in Kanälen denkt, sondern ein kanalübergreifendes Einkaufserlebnis fordert. Der Schlüssel zum Erfolg für Unternehmen liege in einer klaren Omni Commerce Strategie auf Basis moderner Technologie, die eine schnelle Umsetzung und kurze Innovationszyklen ermöglicht.“

Dass die Zukunft für den stationären Handel in dem Ausnutzen des Internet als Basistechnologie für sich als notwendige (jedoch nicht hinreichende) Bedingung anzusehen ist, haben wir hier ausführlich erläutert. Es kommt letztendlich auch darauf an, hier auch die richtigen Dinge zu tun.

Was auf den ersten Blick wie ein Segen für stationäre Händler aussieht, kann nämlich genauso schnell auch zu einer zusätzlichen Gefahr werden!
Nicht nur, dass diese stationären Händler im Wettbewerb untereinander gewinnen werden, die die richtige Online-Strategie zur zentralen Strategie ihrer Aktivitäten machen, sondern natürlich auch, dass der Umsatz von stationären Händlern ohne „Online-Anschluss“ an Online-Pureplayer wie amazon und zalando abfließen kann, wenn diese in Punkto Service, wie bspw. Beratung/Content-Commerce und Same-Day-Delivery weiter aufholen.

Online-Shops werden zum Showroom für den stationären Einkauf – 60% Stationär-Umsatz wird in Online-Shops vorbereitet
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Über Hagen Fisbeck

Hagen Fisbeck ist Berater für digital gestützten Handel. Seit über 15 Jahren ist er im professionellen eCommerce und Multi-Channel-Handel tätig und war bei der Arcandor AG viele Jahre in leitenden eCommerce-Funktionen und als Intrapreneur tätig. Seit 2009 berät er größere und mittlere Handelsunternehmen im eCommerce und Multi-Channel-Handel und ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von DigitalRetail
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3 Antworten auf Online-Shops werden zum Showroom für den stationären Einkauf – 60% Stationär-Umsatz wird in Online-Shops vorbereitet

  1. … und genau deshalb macht es mich fassungslos, wenn der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels 1+1 zusammenzählt und -5 herauskommt. Laut HDE haben 80 % der stationären Händler keine Webshops. Und genau deshalb sei in der Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel E-commerce auch künftig nur eine Zusatzqualifkation. Und genau deshalb dürfen auch weiterhin Onlinehändler keine Einzelhandels-Kaufleute ausbilden. Merke: Nicht überall, wo von Multichannel geredet wird, ist auch wirklich Multichannel drin…

  2. Peer Schmid sagt:

    Hallo zusammen,

    auch wenn Pure-Player kein Interesse daran haben, den stationären Handel zu erhalten, gibt es doch ein Segment, die hier etwas anders aufgestellt sind: Die Markenhersteller. Viele von diesen Unternehmen sind über Ihre stationären Handelspartner groß geworden. Das geht dann teilweise so weit, dass sich diese Markenartikler bis heute nicht in den eCommerce gewagt haben.
    Finden diesen Ansatz dazu aber spannend:
    http://www.sellside-report.com/im-gespraech/unterstuetzt-den-lokalen-handel-kauft-online

  3. Pingback: Der sterbende Einzel- und Online-Handel – Zwei Seiten derselben Medaille | regital

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