Was bedeutet Apples iBeacon-Technologie für den stationären Handel?

iBeacon war nur ein Wort von vielen auf einer Folie bei der Apple Developer-Konferenz im letzten Sommer – aber sie könnte auch für den stationären Handel aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeit eine wichtige Basistechnologie sein – und endlich den QR-Code ablösen 😉

iBeacon ist ein durch Apple eingeführter neuer Standard für mobile-Aktionen und Interaktionen, welche auf dem Bluetooth Standard (genauer dem Bluetooth Low Energy Standard – BLE) basiert und nicht nur von dem Apple Betriebssystem iOS, sondern auch von Android unterstützt wird.

iBeacon basiert auf einem Sender-Empfänger-Prinzip. Dazu werden kleine Sender (Beacons) als Signalgeber platziert, die Signale senden. Kommt ein Empfänger – z. B. ein Smartphone – in die Reichweite eines Senders, kann der Empfänger den einzelnen Sender und dessen Signalstärke identifizieren. Sind mehrere Beacons in Reichweite des Smartphones, lässt sich die Position des Empfängers im Raum errechnen. Auf diese Weise können beispielsweise abhängig vom Standort gezielt Informationen auf dem Smartphone angezeigt werden.

Das interessante an der Technologie ist, dass der Kunde nicht aktiv zuvor sein Smartphone aus der Tasche nehmen und eine App öffnen muss. Ist die entsprechende App installiert, so kann bspw. eine Nachricht als Push-Mitteilung gesendet werden und der Kunde kommt direkt von dieser zu der entsprechenden Information oder dem Angebot.

Quelle: Skillbyte.de

Quelle: Skillbyte.de

Die Anwendungsmöglichkeiten alleine im Handel sind somit sehr vielfältig und können zudem nicht nur den QR-Code bspw. aus den Geschäften verbannen, sondern ebenso dafür sorgen, dass die nur auf sehr kurze Distanz funktionierende NFC-Technologie noch vor der flächendeckenden Verbreitung in Deutschland an Relevanz verlieren könnte (es erklärt auch, warum Apple bislang auch nicht NFC unterstützen wollte und nicht wird).

Anwendungszenarien finden sich in der einfachen Indoor-Navigation (führe mich zu einem bestimmten Produkt, oder optimiere für mich den Laufweg für meinen Einkaufszettel, etc.), da ja die GPS-Navigation in Räumen versagt. Aber ebenso ist es möglich, Kundendatenbanken mit ortsbasierten Angeboten zu verbinden, d.h. der Händler generiert aus den im CRM-System gespeicherten Einkaufsgewohnheiten beispielsweise individuelle Rabatte, die dem Kunden erst im Laden oder beim Vorbeigehen an einem entsprechenden Regal angezeigt werden oder detaillierte Produktinformationen. Die Technologie kann ferner zum einfachen mobile Payment verwendet werden.

Quelle: estimote.com

Quelle: estimote.com

iBeacon ist eine relativ preisgünstige Technologie. Im Geschäft müssen lediglich die Bacons aufgebaut werden – in einem Café oder kleinen Laden reicht schon eine, große Supermärkte sicher mehrere. Das Entwicklerset von Estimote mit drei der funkenden Plastikschalen kostet bspw. nur 99 US-Dollar. Zudem benötigt man natürlich eine entsprechende App, welche der Kunde installiert haben muss.

Nachfolgendes Video zeigt sehr anschaulich die Funktionsweise von iBeacon:

Apple hat bereits in den USA seine 279 Stores mit der iBeacon-Technologie ausgestattet.

Beispiel von iBeacon Push-Benachrichtigung in den Apple-Stores

Beispiel von iBeacon Push-Benachrichtigung in den Apple-Stores (Quelle: IBN)

Auch Macy’s startete im November ein Pilotprojekt mit dem System Shopkick.

Den aktuell umfassendsten Schritt geht derzeit die US-Werbefirma InMarket. Diese hat Giant Eagle und Safeway-Geschäfte in den Städten Cleveland, Seattle und San Francisco mit der iBeacon-Technologie ausgestattet. Hier soll Werbung direkt auf die iPhones der Besucher gepusht werden. Die Kunden benötigen hierfür die App Checkpoints.

Gegenüber Apple Insider sagte der InMarket CEO Todd Dipaola: “iBeacon hat das Potenzial, die Einkaufserfahrungen der Kunden komplett zu verändern. Man stelle sich all die Vorteile von Online-Shopping vor, allerdings in echten Läden. Virtuelle Einkaufslisten mit Erinnerung, an die eigenen Vorlieben angepasste Gutscheine und eventuell sogar virtuelle Kassen. Wir beginnen gerade erst, die Möglichkeiten von iBeacon zu erfassen.”

Insgesamt sollen im ersten Schritt 150 Geschäfte die Technologie erhalten.
Dipaola erklärt auch die Vorteile gegenüber NFC: “Bei NFC muss der User sein Telefon aus der Tasche holen, einschalten, und gegen das Ziel halten, um die Technologie zu nutzen. iBeacons können einen User auch dann erreichen, wenn er das Telefon in der Tasche hat und sich irgendwo im Geschäft befindet. Somit können die Kunden sich innerhalb des Geschäftes völlig natürlich verhalten und die neuen Features wie die Shoppingliste nutzen.”

Neben der leichteren Nutzbarkeit für die Kunden bietet iBeacon auch Vorteile für die Geschäfte, da das System mit Apples Developer Program entwickelt werden kann und auch die Installation der Hardware aufgrund der kleinen Geräte sehr leicht ist.

In Deutschland hat sich u.a. Skillbyte diesem Thema angenommen.

Im Bereich des mobile Payments zeigte PayPal, wie das Bezahlen mittels dieser Technologie in Zukunft aussehen könnte – einfach automatisch beim Verlassen des Geschäfts.

estimote-applications

Visualisierung eines beispielhaften Einsatzes von iBeacon. Quelle: estimote.com

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Über Hagen Fisbeck

Hagen Fisbeck ist Berater für digital gestützten Handel. Seit über 15 Jahren ist er im professionellen eCommerce und Multi-Channel-Handel tätig und war bei der Arcandor AG viele Jahre in leitenden eCommerce-Funktionen und als Intrapreneur tätig. Seit 2009 berät er größere und mittlere Handelsunternehmen im eCommerce und Multi-Channel-Handel und ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von DigitalRetail
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5 Antworten auf Was bedeutet Apples iBeacon-Technologie für den stationären Handel?

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  3. Jan sagt:

    Ibeacon würde auch bei der Superbowl eingesetzt um Kunden zu informieren über Warteschleifen bei der Gastronomie

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