Wenn der Lebensmittelladen das Essen druckt…

Noch steckt das Thema 3D-Druck in quasi allen Bereichen den Kinderschuhen – in einem mehr, in anderen weniger. Es gibt jedoch Bereiche, die schon weiter fortgeschritten sind, wie bspw. das Drucken von einfarbigen Kunststoff-Ersatzteilchen. Die derzeitigen Drucker sind jedoch meist noch etwas für „Nerds“, wobei insbesondere  Makerbot und 3D-Systems mit ihren nicht ganz so „anfälligen“ und für Tüftlerhände ausgerichtete erste Druckervarianten im Markt zu etablieren versuchen. Die Qualität der Drucke erinnert jedoch noch meist an die Anfänge der Nadel-, Tintentsrahl- oder Laserdrucker. Die Schnelligkeit der Entwicklung in den letzten Jahren, die Anzahl der Firmen auf Herstellerseite aber mittlerweile auch auf sehr kundennahen Produktionsstufen – sei es im Konsumgüterbereich oder aber auch die ersten großen Handelsketten, die sehr Endverbraucherorientiert diese Technologie qualitativ und nutzerfreundlich weiterentwickeln und erste Gehversuche für den Massenmarktkompatiblen Einsatz machen läßt erahnen, dass es hier keinen Weg mehr zurück geben wird und 3D-Druck in den nächsten Jahren weiter vorpreschen und an Relevanz gewinnen wird. Auch die Händler werden sich weiter verstärkt immer mehr diesem Bereich widmen.
Eine der neuesten Meldungen im Bereich Nahrungsmittel-Druck kommt von Barilla. Ein Unternehmen, das nicht gerade für technische Spielereien bekannt ist, sondern eher dafür, sehr bodenständig und Endverbraucher- und Massenmarktorientiert zu denken. Wenn sich also eine derart bekannte Lebensmittelmarke mit diesem Thema beschäftigt, dann gehört diesem Thema eine besondere Aufmerksamkeit – nicht nur aus dem Grund, dass es eine bekannte Marke ist – dies ist Nike auch, die ja 3D-Druck bei einem speziellen Schuhmodell bei der Produktion in den eigenen Fabriken einsetzen – sondern weil sie einerseits als weltgrößter Nudelhersteller die „Macht“ haben und den Zugang zum Handel, um dieses Thema sehr breit auszurollen. Andererseits auch, weil es ein sehr breites Produktspektrum und nicht nur ein Produkt betrifft und sie die Produktion sehr nah an den Kunden verlagern möchten bzw. können.

Pasta-Drucker der TNO Eindhoven (Quelle: geek.com)

Pasta-Drucker der TNO Eindhoven (Quelle: geek.com)

Die Meisten von uns kennen ja die Produktion bspw. von Nudeln vor Ort sicher durch Vapiano. Ganz so neu ist dieses Thema also nicht. Barilla versucht nun mit speziellen 3D-Druckern und insbesondere später mit den „Kartuschen“ dafür, die Produktion von Pasta vor Ort zu standardisieren und auszurollen. Hierfür arbeitet Barilla bereits seit zwei Jahren sehr eng mit der Technischen Universität Eindhoven zusammen, die auch an einem Drucken für Pizza arbeiten.
Erster Zielmarkt hierfür ist zunächst sicher der Restaurant-Bereich. Ziel sei es zunächst, potenziellen Kunden einen Prototyp anzubieten, der in zwei Minuten 15 bis 20 verschiedene Pastagerichte ausdrucken kann und von bspw. einem USB-Stick (oder vielleicht auch aus der Koch-Community aus dem Netz oder einer speziellen Tablett oder Smartphone-App, die bspw. das ganze „Mischen“ spielerisch angeht) die entsprechende digitale Rezeptur zur Mischung der verschiedenen Zutaten in der richtigen „Dosis“ zugesteuert bekommt. Neben Restaurants werden sich sicher auch die ersten spezialisierten Lebensmittel-Geschäfte mit diesem Thema vorwagen. Denn hier profitieren alle Beteiligten – vom Zutaten-Hersteller (Barilla) über den Handel bis hin zum Endverbraucher. Die Ware ist Quasi immer „On-Stock“, die nicht so oft gefragte Ware vergammelt nicht bzw. bleibt nicht liegen und nimmt Platz weg, die gesamten Logistik-Prozesse vereinfachen sich und auch der Transport und die Transportkosten usw. Und der Endverbraucher hat immer genau die frisch zubereitete Pasta verfügbar, die er gerade benötigt und kann auch mal neue „Mischungen“ ausprobieren bzw. sich selbst „zusammenstellen“ – mit mehr oder weniger Gluten, usw. – sofern die Software automatisch dafür Sorge trägt, dass das Ganze noch genießbar ist ;-). Aber auch bei zahlreichen Restaurants, die nicht mehr alle speziellen Pasta-Arten vorhalten müssen und zudem auch noch auf den noch so speziellsten Geschmack des Gastes eingehen können, hat diese Technologie sicher eine realistische Chance, sich zu etablieren. Aber auch Hobbykoch daheim wird künftig eine interessante Zielgruppe darstellen und vielleicht wird ja dann auch der eine oder andere zum Hobbykoch.

Zunächst wird es sicher nur Drucker geben, die für diese eine Art von „Produkten“ geeignet sind. Durch die enorme Geschwindigkeit bei der Weiterentwicklung von Multi-Material und Multi-Color (bzw. Zutaten) Druckern, werden sicher in ca. 5 Jahren verstärkt Drucker auf den Markt kommen, die zu endkundenorientierten Preisen angeboten werden und in der Lage sind, fast alle „Probleme“ des täglichen Bedarfs zu lösen – vom Druck des verlorengegangenen Playmobil-Zubehörs (durch eine von Playmobil verkaufte 99Cent 3D-Vorlage), des Ersatzteils für den Geschirrspüler bis hin zu den Lebensmitteln – einfach durch Austausch der entsprechenden „Module“ bzw. Materialien/Rohstoffe (anstatt Farbkartuschen). Alleine die Anwendungsfälle in der Küche sind enorm und die Vorstellung, die ja eh schon durch die quasi teschnisch beschriebenen Zutatenliste bei Rezepten (wie bspw. fast 700 sich durch die Zutaten unterscheidenden Rezepte alleine für Waffeln bei Chefkoch.de), durch die richtige Back- bzw. Kochvorstufe durch einen 3D-Drucker (der so selbstverständlich wie eine Mikrowelle, das Waffeleisen oder ein Mixer seinen Platz in der Küche hat) erledigen zu lassen, erscheint einem dann irgendwie gar nicht mehr so unrealistisch.

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Über Hagen Fisbeck

Hagen Fisbeck ist Berater für digital gestützten Handel. Seit über 15 Jahren ist er im professionellen eCommerce und Multi-Channel-Handel tätig und war bei der Arcandor AG viele Jahre in leitenden eCommerce-Funktionen und als Intrapreneur tätig. Seit 2009 berät er größere und mittlere Handelsunternehmen im eCommerce und Multi-Channel-Handel und ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von DigitalRetail
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