Zalando mit virtueller Umkleide

Virtuelle Anproben sind im Prinzip ja schon ein alter Hut. Bereits 2001 hatte ich dies bei Neckermann eingeführt und auch Otto hatte eine ähnliche Lösung kurz darauf.
Zalando testet nun auch eine virtuelle Anprobe, um die Retourenquote zu verringern und setzt dabei auf das 2008 UK-Startup Metail.
Es soll auch Gespräche mit UPcload gegeben haben, welche bereits über ein breites Kooperationsspektrum bei Versendern verfügen.
Anders als bei UPcload wird der Nutzer bei Metail nicht vermessen, sondern als Avatar modelliert. Der Nutzer kann hierfür entweder aus vorgefertigten Gesichtern und Frisuren (analog seinerzeit bei Neckermann) wählen oder er lädt Fotos von sich hoch. Ist der Avatar fertig, kann der Nutzer mit der virtuellen Anprobe das gewünschte Kleidungsstück „anprobieren“.
Zalando testet Metails virtuelle Anprobe bei ca. 200 Artikeln der Eigenmarken Zalando CollectionZalando EssentialsEven&Odd und mind&berry.

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So funktioniert Metail:

Zum Vergleich die Strategie von UPcload:

Was auf den ersten Blick und in den Video von Metail und UPcload so einfach aussieht, stellt sich jedoch bei der Bereitstellung einer solchen Anwendung für den Anbieter oft nicht gerade trivial dar. Die Herausforderung bei solchen virtuellen Anproben ist einerseits die „Passgenauigkeit“ der Kleidungsstücke sowie das richtige Bildmaterial dazu. Will man einen Avatar, der einigermaßen den Proportionen des Kunden entspricht, dann müssen die Kleidungsstücke auch in jeder passenden Größe/Farbe und beim Drehen von allen Seiten auch vorhanden und entsprechend an einer Puppe in einer bestimmten Position fotografiert worden sein, damit bspw. die Ärmel auch an den Armen sitzen… Der Aufwand hierbei ist nicht zu unterschätzen. Es kann nicht einfach jedes Bild irgendwie auf einen Avatar gemapped werden und zudem dann auch automatisch die passende Größe auf das Modell gelegt werden. Otto bspw. war einmal den Weg gegangen, das Produkt entsprechend zu „skalieren“ mit dem entsprechendem Effekt, dass Muster auf den Produkten mit skalierten und somit oft verzerrten.

Zudem darf nicht unterschätzt werden, dass es verschiedene Ebenen für ein Produkt gibt, damit bspw. ein Jacket nicht unter dem Hemd sitzt oder ein Hemd kann in und über der Hose getragen werden usw. Alle Eventualitäten abzubilden führt zu enormen Kosten sowohl bei der Produktfotografie als auch bei der Datenpflege. Auch lange Haare auf dem Foto können zu Problemen führen, da diese ja auf und nicht unter dem Produkt liegen müssen.

Insofern ist mit der Einführung einer einigermaßen brauchbaren virtuellen Anprobe auch mit einem hohen zeitlichen und hohem Kostenaufwand zu rechnen. Ein Gesamtsortiment hierüber abzubilden ist auch aus heutiger Sicht noch immer schier unrealistisch.
Insbesondere  natürlich, wenn Bilddaten von Dritten kommen. Um eine Eigenfotografie wird man nicht herum kommen. Dies ist natürlich auch ein spannender Punkt für StartUps in diesem Bereich, die entsprechend die Daten standardisiert erstellen und Online-Shops zur Verfügung stellen.

Zalando mit virtueller Umkleide
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Über Hagen Fisbeck

Hagen Fisbeck ist Berater für digital gestützten Handel. Seit über 15 Jahren ist er im professionellen eCommerce und Multi-Channel-Handel tätig und war bei der Arcandor AG viele Jahre in leitenden eCommerce-Funktionen und als Intrapreneur tätig. Seit 2009 berät er größere und mittlere Handelsunternehmen im eCommerce und Multi-Channel-Handel und ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von DigitalRetail
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2 Antworten auf Zalando mit virtueller Umkleide

  1. Tobias sagt:

    Da sind natürlich Hersteller in einer komfortableren Situation – Esprit, H&M und insbesondere Street One haben da mittlerweile ganz vernünftige virtuelle Umkleiden

  2. Sara sagt:

    Irgendwie kann ich mir kaum vorstellen dass das wirklich funktioniert. Selbst wenn die Maße und alles andere eins zu eins berechnet werden könnten und man sich auf dem Bild in der Kleidung sehen könnte, wüsste man dennoch nicht, ob es einem wirklich steht und man sich darin wohlfühlt.

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